15. Juni 2014

Drohkulisse

Einen Tag Flugpause nutzten wir, um das reizende Städtchen Bamberg zu erkunden, inklusive Flussfahrt (für nur 5 Euro, dafür ein wenig kurz). Sehnsüchtig schaue ich einigen Fliegern nach, die am späten Nachmittag doch noch auftauchen. Es sind wohl „Wettbewerbsflieger“, denn alle kreise in einem Bart und als einer davon fliegt, dackeln alle anderen hinterher. Nur einen entdecke ich später, der sein eigenes Ding macht, aber vielleicht gehörte der auch nicht zur „Truppe“.
An unserem letzten Tag am Feuerstein sieht es zunächst wenig nach Fliegen aus. Der Himmel ist bedeckt, der Wind kräftig. Dennoch starte ich gegen Mittag und kämpfe mich in Bodennähe gegen den Wind voran. Der Apis 2 überrascht mich mal wieder mit neuen Qualitäten. Man sollte ihm einfach mehr zutrauen. Mehr als 1500 Meter NN sind einfach nicht drin und das gegen den Wind. Unkomfortabel.
Erst über Kulmbach wird es besser. Die Basis steigt etwas und damit meine Laune. Nach und nach gelange ich in die Komfortzone über dem Thüringer Wald. Es geht voran, immer nach Norden, immer höher, die Meute der Wettbewerbsflieger kommt mir entgegen und fliegt mich mal wieder beinahe über den Haufen. Ich zeige allen den Stinkefinger und hoffe, sie haben ihn gesehen!
Jetzt zieht im Norden eine Drohkulisse auf. Es wird immer dunkler, der Himmel zieht sich zu, wie ein Badevorhang. Noch ein, zwei Wolken taste ich mich mutig voran, schließlich habe ich keine Gleitzahl 50, dann spukt mich der Thüringer Wald aus. Im „Flachland“ reißt es mich auf 2500 Meter, heute weiß ich die Bärte wirklich nicht richtig einzuschätzen.
Immer weiter geht es, jetzt unter grandiosen Wolkenstraßen, kreuz und quer über den Wald, seine Skiabfahren, seine Masten, seine Stauseen. Alles schaue ich mir genau an, das ist das Privileg des achtsamen Segelfliegers, der nicht nur Punkte sondern Eindrücke sammelt.
Noch am späten Nachmittag reißt der Himmel auf, ein Wunderwerk für den, der sich nicht innerlich darauf vorbereitet hatte. Bauschige Wolken entstehen um mich herum, manchmal steige ich unter einer Wolke so hoch, dass ich mich 200 Meter über der Basis einer anderen Wolke befinde. Treppenstufen am Himmel, ein wunderbares Phänomen.
Trotzdem verliere ich irgendwann den Anschluss, sinke, suche, sinniere und dann rettet mich letztlich der Steinbruch bei Bayreuth mit dem die Woche fliegerisch begann. Erst zaghaft, dann zentriert, letztlich reißt es mich geradezu nach oben, es ist unbequem, aber es hilft, dort anzukommen, wo ich hinwill: im Himmel der Segelflieger, hoch oben unter einer dicken, schwarzen Wolke.
Spät noch statte ich dem Rosenthal Field einen Besuch in luftiger Höhe ab. Hier begann wirklich alles. Hier flog Manfred Streußenreuther, mein Idol, mein Mentor, ein Modell seiner Zlin Z 50 hängt (kopfüber) in der Fliegerkneipe am Feuerstein. Ich bin äußerst gerührt, mir kommen die Tränen, wenn ich an diese Zeit denke. Damals wartete ich vier Jahre auf den ersten Flug, heute fliege ich einfach hoch über den Flugplatz hinweg. Das lässt sich kaum in Worten beschreiben.

Irgendwann geht auch dieser Flugtag zu Ende. Noch probe ich ein wenig das Fliegen gegen den Wind, dann denke ich trotz der immer noch kräftigen Thermik an die Rückfahrt in den Schwarzwald und lande bei böigem Wind, aber glücklich, über eine tolle Zeit am Feuerstein.

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